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Full text of "Ein neues Verfahren zur Lösung psychometrischer Probleme in der Analyse verbaler Daten"

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kurz-informationen 




des 








PÄDAGOGISCH- 




PSYCHOLOGISCHEN 
INSTITUTS 






der 




LEHRERHOCHSCHULE 




IN MALMÖ 



didakometrie 

und 
soziometrie 




Bierschenk, B.: 

EIN NEUES VERFAHREN ZUR LÖSUNG 
PSYCHOMETRISCHER PROBLEME IN DER 
ANALYSE VERBALER DATEN 



Nr 20 



Mai 1978 



EIN NEUES VERFAHREN ZUR LÖSUNG PSYCHOMETRISCHER 
PROBLEME IN DER ANALYSE VERBALER DATEN 



Bernhard Bier schenk 



Bierschenk, B. Ein neues Verfahren zur Lösung psychometrischer Probleme 
in der Analyse verbaler Daten. Didakometrie und Soziometrie (Malmö: 
Lehrerhochschule), Nr 20, 1978. 

Verbale Äußerungen werden in der verhaltenswissenschaftlichen Forschung 
mit den unterschiedlichsten Methoden und Techniken analysiert. Um die 
Relationen innerhalb eines ganzen Satzes quantitativ beschreiben und mit 
Hilfe von multivariaten statistischen Verfahren analysieren zu können, wurde 
ANACONDA entwickelt. Diese Abkürzung ist die Bezeichnung einer Methode 
zur "Analysis of Con cept by means of Da ta Processing". 

Das psychologische Modell, das der Methode zugrunde liegt, geht von der 
Annahme aus, daß eine empirische Observation aus einem ganzen Satz be- 
steht. Außerdem wird angenommen, daß jeder verbalen Äußerung kognitive 
Einheiten ("Begriffe") zugrunde liegen, die sich in den Schlüsselwörtern 
eines Satzes manifestieren. Weiterhin wird angenommen, daß ein Satz nicht 
etwa das Produkt eines strikt zufälligen Prozeßes ist, sondern vielmehr 
einen stochasti sehen Prozeß voraussetzt. 

Die Skalierung wurde mit Hilfe eines Panels durchgeführt. An dem Panel 
haben 15 Verhaltenswissenschaftler der Universität Lund-Malmö (Schweden) 
teilgenommen. Das empirische Material besteht aus Interviewtexten. Diese 
wurden mit Hilfe von Klusteranalysen kondensiert und homogenisiert. Das 
Relationsmuster in den erhaltenen Resultaten wurde mit Hilfe einer Diskri- 
minantanalyse untersucht. Schließlich wurde versucht, die Validität der Met- 
hode zu demonstrieren. 

Schlüsselwörter: Automatisierte Datenverarbeitung, Begriffsbildung, In-- 
haltsanalyse, Kognition, Kommunikation, Psycholinguistik, Psychometrie, 
Regressions an alyse. 



INHALT 



Seite 



1 . PSYCHOLINGUISTISCHE AUSGANGSPUNKTE 

2. ANACONDA 

2. 1 Voraussetzungen 

2. 2 Adjektiv- und Verbskalierung 

2. 3 Begriffsgenerierung 

3. PROBLEMDEFINITION IM FORSCHUNGSPROZESS 

4. LITERATURVERZEICHNIS 



5 
7 
8 

16 

19 



3 - 



i. PSYCHOLINGUISTISCHE AUSGANGSPUNKTE 



Eine für den Menschen spezifische Handlung ist es, Informationen mit Hilfe 
von Symbolen zu vermitteln. Das wird u a am Zeitung- und Bücherlesen 
deutlich. Auf der Basis der auf diese Weise vermittelten Informationen 
werden Schlußfolgerungen über Ereignisse oder andere Personen gezogen, 
d h, die Interpretation der vermittelten Informationen wird dem Aufbau 
eines Referenzrahmens zugrunde gelegt. Wenn dieser Prozeß teils auf ex- 
trahierte Leitfäden, teils der undefinierbaren intellektuellen Fähigkeit des 
einzelnen aufbaut, kann das daraus resultierende Verfahren eine "Im- 
pressionistische Inhalt sanalyse" genannt werden. Einer solchen liegen 
Intuition und Einfühlungserlebnisse, dh subjektive Ergebnisanalysen, zu- 
grunde. 

Den Gegensatz zu impressionistischen Analysen bilden Inhalt sanalysen- 
verfahren, denen Frequenzverteilungen zugrunde liegen. Diese sind objektiv, 
indem sie eine explizite Beschreibung des Vorgehens und eine formalisierte 
Arbeitsweise fordern. Auf diesem Hintergrund bedeutet Objektivation, daß 
typisch menschliche Funktionen auf Objekte, d h Hilfsmittel übertragen wer- 
den, und daß Maschinen entwickelt werden, die Funktionen ausführen können, 
die ursprünglich subjektiv waren. 

Sollen objektive Verfahren für objektiveAnalysen verbaler Daten ent- 
wickelt werden können, setzt das voraus, das Modelle und Theorien über 
die Inhalte einer verbalen Mitteilung entwickelt werden, d h über jene kog- 
nitive Strukturen, die verbalen Äußerungen zugrunde liegen dürften. Jedem 
Verfahren liegt nämlich eine bestimmte Betrachtungsweise sprachlicher 
Phänomene zugrunde. Schriftlich oder mündlich produzierte Mitteilungen 
zeichnen sich besonders durch ihre hochgradige Komplexität aus. Außerdem 
sind die, den Mitteilungen zu entnehmenden Informationen selten oder niemals 
auf eine einzige Stelle in einem Text konzentriert. Soll es trotzdem gelingen, 
strukturelle Zusammenhänge deutlich zu machen, müssen Mitteilungen auf 
der Basis gewisser psychologischer und linguistischer Grundannahmen für 
systematische Analysen vorbereitet werden. In Bierschenk & Bierschenk 
(1976) wird das psycholinguistische Modell präsentiert und diskutiert, das 
den Ausgangspunkt zur Formulierung jener Grundannahmen darstellt, die 
die Basis des "Verfahrens zur Lösung psychometrischer Probleme in der 
Analyse verbaler Daten" ausmachen. Es wird außerdem ein Flußdiagramm 
dargestellt, das die einzelnen Schritte einer solchen Analyse veranschaulicht. 



Eine unüberschaulich große Anzahl statistischer Analysen von verbalen 
Datensätzen wurde, vorallem in den USA, unternommen. Unter diesen frühen 
Versuchen scheint Osgoods (1 952) Artikel: "The Nature and Measurement of 
Meaning" den Weg für eine künftige Methodenentwicklung zu zeigen. Eine com- 
puter-basierte Analogie zu Osgoods "Evaluative Assertion Analysis" wurde 
von Holsti (1969) entwickelt. Holsti geht doch weiter als Osgood. Während 
Osgood in seiner Analyse nur Substantive und Adjektive anwendet, erweitert 
Holsti das Analysenverfahren, indem er auch den Verben Bedeutung in der 
Wertung von sogenannten Attitüdenobjekten (AO) zumißt. Holsti berücksich- 
tigt außerdem Satzthema ("modes of expression"), z B Negation und Moda- 
lität. Damit wird explizit angegeben, daß eine syntaktische Codierung 
in einer systematischen Analyse von verbalen Datensätzen nicht zu umgehen 
ist. In seiner statistischen Analyse scheint Holsti dagegen jedoch über das 
Herstellen einfacher Frequenztabellen nicht hinausgekommen zu sein, d h 
es können nur verschiedene Quotienten konventionellen Typs konstruiert 
werden. 

Eine Kritik, die nicht nur den Resultaten aus Inhaltsanalysen gilt, sondern 
in gleichem Maße auf manifeste Werte und Profile aus Umfrage- und Persön- 
lichkeitsuntersuchungen zutrifft, ist, daß diese, aufgrund der zu erwartenden 
Meßfehler, grob irreführend sein können (vgl Cronbach, Gleser, Nanda &; 
Rajaratnam, 1972). Eine Anwendung von Frequenzen baut nämlich auf sehr 
allgemein gehaltenen Annahmen auf. Es wird z B angenommen, daß Frequen- 
zen die As soziations struktur der Informationsquelle indizieren und im Hin- 
blick auf die erhaltenen Resultate als prädizierend betrachtet werden können. 

Auf dem Hintergrund der beschriebenen Ausgangspunkte wurde eine " Anal ysis 
of Con cepts by means of Data Processing" ("ANACONDA") entwickelt. Fol- 
gende Fragestellung wurde zu Beginn der Arbeit formuliert: 

Können mit Hilfe von numerischen Analysen und durch quantitative Be- 
stimmungen kognitive Strukturen in verbalen Daten, z B Interviewtexte, 
identifiziert und kategorisiert werden? 



- 5 



2. ANACONDA 

Der Aufbau von Begriffen in einem gegebenen Kontext setzt ein Regelsystem 
voraus. Damit wird bestimmt, auf welche Weise einzelne linguistische Ele- 
mente miteinander verknüpft werden sollen und in welcher Folge einzelne 
Verknüpfungen geschehen sollen (vgl B. Bierschenk, 1974a; Bierschenk & 
Bierschenk, 1976; I. Bierschenk, 1977a). ANACONDA setzt den Aufbau em- 
pirisch verankerter Begriffe voraus. Als Bausteine dienen dabei linguis- 
tische Elemente wie z B Verb oder Adjektiv, während die Grundeinheit der 
Analyse mit dem Ausgangspunkt in dem wohlbekannten Agent -Aktion -Objekt 
(Ziel)-Paradigma definiert wird. Die Komponenten wurden wie folgt defi- 
niert: 

Agent ; Aktions Zentrum oder zielsuchende Entität, welche in der Realisie- 
rung ihrer Ziele Hilfsmittel anwenden. 

Diese Definition umfaßt auch Gruppen, Organisationen oder Abstraktionen, 
die die Funktion eines Agenten wahrnehmen. 

Aktion; Eine gerichtete Handlung, die mit der Absicht ausgeführt wird, ein 
Ziel zu realisieren. 

Objekt (Ziel): Alles, auf was eine Handlung gerichtet oder gegenüber welchem 
eine Handlung ausgeführt werden kann. 

Durch das AaO-Paradigma werden die Komponenten abgegrenzt, die einen 
natürlichen Zusammenhang bilden. Damit wird im Hinblick auf eine verbale 
Aussage die Substantiv, -Verb-Substantiv -Relation, d h eine beobachtbare 
Aussage, gemeint. 



2. 1 Voraussetzungen 

ANACONDA baut u a auf der Annahme auf, daß die zwischen Substantiv und 
Adjektiv sowie zwischen Substantiv und Verb bestehenden Relationen solche 
Beziehungen widerspiegeln, die empirische Phänomene miteinander verknüpfen. 

Auf dem Hintergrund dieser Annahme wurden sämtliche Verben und Adjek- 
tive eines umfassenden Interviewmaterials mit Hilfe semantischer Differen- 
tiale skaliert. Es kann also einer Gruppe von Substantiven durch eine Gruppe 
von Adjektiven ein empirischer und quantitativ definierter Inhalt gegeben 
werden, d h es können quantitativ definierte Begriffe aufgebaut werden. 

Weiterhin wird angenommen, daß der Inhalt, der der Sprache eines ein- 
zelnen und den sich daraus ergebenden Transformationen zugrunde liegt, 



einzig und allein nur von empirischer Natur sein kann. Gemäß Quine (1972) 
kann daher nur ein vollständiger Satz die Grundeinheit einer Analyse und 
Synthese empirischer Phänomene sein. Die charakteristische Eigenschaft 
eines solchen Satzes ist dessen Inte r Subjektivität. Rozeboom (1972, S 97) 
behauptet ebenfalls, daß Wissen nichts anderes sein. kann als "propositional 
knowledge" bzw "justified true belief". 

Die linguistische Grundeinheit in ANACONDA ist daher das bereits erwähnte 
Substantiv, -Verb~Substantiv_ -Paradigma. Wird diesem eine psychologische 
Dimension hinzugefügt, ergibt sich das Agent -Aktion -Objekt -Paradigma. 
Der wesentliche Unterschied zwischen beiden ist, daß im zweiten eine Rich- 
tung sindikation gefordert wird. Dieses Paradigma, verkürzt mit AaO, fordert 
also eine explizite Angabe des Handelnden bzw des Agenten (A), des Ereig- 
nisses, bzw der Aktion (a) und des Objektes, bzw des Ziels (O) für die Hand- 
lung. Entsprechend des AaO-Paradigmas ist eine Handlung immer zielend 
(transitiv) unbeschadet dessen, ob diese explizit oder implizit angegeben 
wird. 

Es kann somit bereits zwischen zwei Ebenen im Analysenverfahren 
unterschieden werden, nämlich 

1. einer manifesten Ebene, auf der die Repräsentationsform sprachlicher 
Produktionen von entscheidender Bedeutung ist, und 

2. einer latenten Ebene, auf der Modelle zur Approximation von Phäno- 
menen psychologischer Natur die entscheidene Rolle spielen. 

Auf der manifesten Ebene hängt die Qualität des Analysenverfahrens ent- 
scheidend von der Kontrolle über das Verb ab. Durch das Verb wird nämlich 
die Bedeutung des Substantiv -Verb-Substantiv -Paradigmas, verkürzt mit 
S,vS_, angegeben und die einzelnen Komponenten des Paradigmas identifi- 
ziert, d h, ob eine vollständige Aussage vorliegt oder nicht. 

Auf der latenten Ebene hängt die Qualität des Analysenverfahrens von den 
theoretischen Begriffsdefinitionen ab. Auf dieser Ebene werden die einzelnen 
Komponenten im AaO-Paradigma durch die Handlung identifiziert, d h die 
Handlung definiert den Inhalt. Kann angenommen werden, daß zwischen den 
generierten und quantitativ definierten Begriffen Relationen implikativen 
Charakters bestehen, d h Kovariationen zwischen den Eigenschaften, kann 
auch die Kognition von Objekten prädiziert werden. 

Durch eine Skalierung von Adjektiven und Verben und deren Kopplung mit 



- 7 - 



ihren jeweiligen Substantiven wird es möglich, Texte numerisch zu be- 
schreiben und multivariaten Analysen zu unterziehen. Durch ein solches 
Verfahren wird es auch möglich, die Position eines Begriffs simultan in 
einer Anzahl latenter Dimensionen zu bestimmen. 

ANACONDA nimmt Rücksicht auf "syntaktische Verhältnisse" und be- 
trachtet sowohl Adjektive als auch Verben als abhängige, bzw als beschrei- 
bende linguistische Elemente. Substantive werden dagegen als unabhängige, 
bzw als zu beschreibende linguistische Elemente betrachtet. Adjektive 
beschreiben Substantive direkt, während Verben die gleiche Funktion indirekt 
erfüllen. 

2. 2 Adjektiv- und Verbskalierung 

Eine häufig angewandte Methode zur quantitativen Bestimmung von Eigen- 
schaften und Ereignissen oder Zuständen ist Osgoods (1957) "Semantic 
Differential" (SD). Aus den Untersuchungen zur SD geht hervor, daß selten 
mehr als die wohlbekannten drei Dimensionen "Evaluation" (E), "Potency" 
(P), bzw "Dominance" und Activity" (A) benötigt werden. Die psychologische 
Bedeutung der Faktoren struktur sowie die Anwendbarkeit der SD ist vielfach 
diskutiert worden. Aber welcher Standpunkt auch immer eingenommen wird, 
so läWt sich nicht davon absehen, daß diese Faktorenstruktur existiert und in 
vielen unterschiedlichen Untersuchungen reproduziert werden konnte (vgl 
Miron, 1969). Osgood (1 969) hat übrigens selbst darauf hingewiesen, daß 
die E-P-A -Struktur mit Wundts (1918, S 100) "Gefühle als dreidimensionale 
Mannigfaltigkeit" nämlich (1 ) "Lust-Unlust", (2) "Erregung -Beruhigung" und 
(3) "S/pannung -Lösung" eine prinzipielle Übereinstimmung zeigt. 

Osgoods SD wird gewöhnlich dazu benutzt, Objekte mit Hilfe von bipolaren 
Adjektivpaaren zu beschreiben. ANACONDA geht dagegen von der Annahme 
aus, daß die Grenzen zwischen Adjektiven und Verben von konventioneller 
nicht aber von prinzipieller Art sind, d h, beide sollten in einer Beschreibung 
empirischer Phänomene zur Anwendung kommen. 

Eine Methode für die Bestimmung der Inte r Subjektivität in Beurteilungen, 
ist die Panelbeurteilung. Es wird dabei angenommen, daß Beurteiler 
zuverlässige Beurteilungen von Eigenschaften, Ereignissen und Zuständen 
abgeben können. Werden bei Panelbeurteilungen außerdem mindestens 
zwölf Beurteiler angewandt, kann die Zuverlässigkeit in den Beurtei- 
lungen genau so hoch werden, wie sie für bessere objektive Instrumente 






- 8 



gefordert wird (vgl z B Guilford, 1954; Cattell, 1973). 

Eine Skalierung von Adjektiven und Verben mit einer siebengradigen bi- 
polaren Skala, deren Endpunkte durch die Adjektivpaare (1) positiv-negativ, 
(2) aktiv-passiv und (3) stark-schwach beschrieben werden, weicht von der 
klassischen Anwendungsweise ab. Es werden nämlich durch dieses Ver- 
fahren Beurteilungen generiert, die, im Gegensatz zur klassischen An- 
wendung s weise, von einem bestimmten Beurteilungsobjekt (AO) unabhängig 
sind. Durch dieses Vorgehen wird verhindert, daß die semantische Struktur 
in den gewählten Adjektivskalen als eine Funktion verschiedener Objektklassen 
verändert wird. 

Mit Hilfe eines aus fünfzehn Verhaltenswissenschaftlern bestehenden 
Panels wurden 570 Adjektive und 88 3 Verben in ihren Grundformen beurteilt.. 
Um verschiedenen Fehlerquellen entgegen zu wirken, wurden für jeden ein- 
zelnen Beurteiler individuelle und strikt zufällig bestimmte Wortlisten her- 
gestellt. Die insgesamt abgegebenen Beurteilungen (8718 Werte) wurden 
strukturanalytisch untersucht. Die Reliabilitäts Schätzungen für die einzelnen 
Skalen wurden mit einem von Lord (1958) vorgeschlagenen Verfahren zur Be- 

rechung eines Koeffizienten für maximale Reliabilität (a ) durchgeführt. 

° x max' ° 

In Tabelle 1 sollen die Reliabilitäts Schätzungen in sehr kondensierter Form 
reproduziert werden. 



Tabelle 1. Reliabilitäten in den Adjektiv- und Verbbeurteilungen (a ) 

J ö v max' 



-i 








Beurteilt 


Dimension 
(1) Wertung 


(2) Aktivität 


(3) Stärke 


Adjektiv 
Verb 


.97 
.95 


.92 
.93 


.88 
. 86 



Eine detaillierte Darstellung der Reliabilitätsunter suchung und der Dis> 
kussion der erhaltenen Resultate findet sich in Bier schenk & Bier schenk 
(1976). 

2. 3 Begriffsgenerierung 



Textanalysen werden in verhaltenswissenschaftlichem Zusammenhang häufig 
entweder mit der Absicht durchgeführt, (1) Schlüsselbegriffe zu finden, oder 
(2) Begriffsfrequenzen zu studieren. Der zweite Fall setzt außerdem vor- 



9 - 



aus, daß ein Begriffssystem (Kategoriensystem) konstruiert wird. Ent- 
sprechend eines solchen Systems wird dann der zu untersuchende Text 
codiert, wobei angenommen wird, daß die latente Struktur eines 

Textes durch das konstruierte Kategoriensystem reflektiert wird. Eine 
Analyse, die im besten Fall auf dichotomen Beschlüssen über die Zuge- 
hörigkeit einer Informationseinheit zu einer Kategorie, aufbaut, kann sich 
jedoch im Hinblick auf die Terminologie eines Textes als zu wenig adaptiv 
erweisen. 

ANACONDA impliziert eine Analyse und Synthese von sowohl empiri- 
schen Aussagen als auch den Relationen zwischen den Aussagen. Aus diesem 
Grund reicht eine lexikographische Aufstellung von Wörtern und die Kon- 
struktion eines Kategoriensystems nicht aus, wenn es gilt, die impliziten 
kognitiven Modelle einer Informationsquelle zu erfassen. Um jedoch diesem 
Ziel näher kommen zu können, wurden im Grundmaterial verankerte Wort- 
listen geschaffen und auf der Basis der skalierten Elemente quantitativ be- 
stimmte Begriffe generiert. Dem Generierungsprozeß liegen sowohl hori- 
zontelle als auch vertikale Relationen innerhalb einer Aussage zugrunde. 

Gewöhnlich wird eine Relation damit zum Ausdruck gebracht, daii eine 
Regel formuliert wird, die besagt, was als Element, Paar usw betrachtet 
werden soll. Wird für eine Stichprobe (S) angegeben, daß A eine Teilmenge 
der Menge aller Nominal und B eine Teilmenge aller Adjektiv ist, die A 
modifizieren, kann dieses Verhältnis formalisiert und zur quantitativen 
Bestimmung von Begriffen, d h den Komponenten im AaO-Paradigma be- 
nutzt werden. Eine statistisch sinnvolle Analyse und Synthese fordert aber 
gleichzeitig Computerprogramme die eine Verarbeitung großer Mengen ver- 
baler Daten ermöglichen. 

Auf welche Weise das Analysenverfahren durchgeführt wurde, soll nun 
anhand folgender sechzehn Schritte dargestellt werden: 

1. Eine Frequenzanalyse der A-Komponenten. 

2. Eine Analyse der Verteilung der A-Komponenten. 

3. Eine Frequenzanalyse der O -Komponenten. 

4. Eine Analyse der Verteilung der O-Komponenten. 

5. Eine Klusteranalyse der A-Komponenten mit Hilfe von (1) BMD P01M, d h 
die Agenten werden als Variablen behandelt und (2) BMD P02M, d h, die 
Agenten werden als Objekte der Messung behandelt (vgl Dixon, 1975). 



10 - 



6. Eine Klusteranalyse der O-Komponenten: (1) BMD POiM, d h, die 
Objekte werden als Variablen behandelt und (2) BMD P02M, d h, die 
Objekte werden als Objekte der Messung behandelt. 

7. Eine Klusteranalyse von Blöcken: BMD P03M, d h, die Agenten und 
Objekte bilden separate Blöcke. 

8. Eine Analyse der Koinzidenzen der Agenten und Objekte. Das Koinzi- 
dieren wird vom Verb bestimmt. 

9. Eine Analyse der Agenten, die wenigstens fünf Mal im Grundmaterial 
(Interviewmaterial) vorkommen. 

10. Eine Analyse der Objekte, die wenigstens fünf Mal im Grundmaterial 
vorkommen. 

11. Eine Analyse der Verteilung der Agenten, die mit Objekten (>5) koin- 
zidieren. 

12. Eine Analyse der Verteilung der Objekte, die mit Agenten (>5) koin- 
zidieren. 

13. Eine Klusteranalyse der Agenten mit BMD P01M, in welcher die Agen- 
ten als Variablen behandelt werden. 

14. Eine Klusteranalyse der Objekte mit BMD P01M, in welcher die Objekte 
als Variablen behandelt werden. 

15. Eine Koinzidenzanalyse der Agentenkluster mit den Klustern der 
Objekte. Die Koinzidenzen werden durch das Verb bestimmt. 

16. Eine Diskriminantanalyse mit den reduzierten Koinzidenzmatrizen. 

Es wurden dabei folgende Computerprogramme angewandt: MANOVA & 
DISCRIM (Cooley & Lohnes, 1971) und Programme aus dem SPSP 
(Nie et al, 1975). 

Die Schritte 1, 2, 3 und 4 des Verfahrens wurden mit der Absicht durch- 
geführt, untersuchen zu können, ob und in welchem Ausmaß gemeinsame 
linguistische Elemente in den verbalen Formulierungen angewendet werden. 
Die resultierenden Frequenzverteilungen bildeten den Ausgangspunkt für eine 
Kondensierung des Materials durch Klusteranalysen. 

In den Schritten 5, 6 und 7 wurden verschiedene Kriterien für Klusterbil- 
dungen und Zusammenschlagungen geprüft. In den Schritten 8, 9, 10, 11 



11 - 



und 12 wurden einzelne Gruppierungen auf untere Grenzwerte hin untersucht. 

Im 13. und 14. Schritt werden die A- und O -Komponenten aufs neue ge- 
klustert. Im 15. Schritt werden die einzelnen Kluster auf ihre Koinzidenzen 
hin untersucht. 

Im 16. Schritt des Verfahrens kommen schließlich die Skalierungswerte 
der Verben zur Anwendung, d h die Objekte werden quantifiziert und damit 
zu empirisch verankerten Begriffen. Diese werden dann auf ihre Diskrimina- 
tion im Hinblick auf (1) Evaluation, (2) Aktivität und (3) Stärke hin untersucht. 
Die Hauptergebnisse sollen im folgenden kurz beschrieben werden, 

2.4 Latente Strukturen im Grundmaterial 



Die Resultate aus den Klusteranalysen zusammen mit den Skalierungsresul- 
taten lassen eine Diskriminationsanalyse zu. Die genannten drei Dimen- 
sionen in den Schätzungen können als drei Gruppierungen der Schätzungs- 
werte aufgefaßt, d h es können zwei Diskriminantfunktionen gebildet werden. 
Der Diskriminantanalyse liegen also die Agentenkluster als Objekte der Mes- 
sung zugrunde, während die Objektkluster die Variablen bilden. Die Diskrimina- 
tion sfähigkeit der einzelnen Funktionen können von den Eigenwerten und den 
kanonischen Korrelationen der respektiven Funktionen in Tabelle 2 abge- 
lesen werden. Die Eigenwerte geben die relative Bedeutung der Funktionen 
an. Die Summe der Eigenwerte ist dagegen ein Maß für die totale Varianz 
in den diskriminierenden Variablen. 



Tabelle 2. Diskrimination sfähigkeit der Funktionen 



















Funktion 


X 


% 


R 


A 


x z 


df 


P 


1 
2 


1. 36 
.43 


75.85 
24. 15 


.76 

.55 


. 30 
.70 


44.98 
13.28 


10 
4 


.00 

.01 



X : Eigenwert 

%: Prozent 

R: Kanonische Korrelation 



A: Wilks Lambda 
X 2 : Chi Quadrat 
df : Freiheitsgrad 
p : Signifikanzniveau 



Wie aus Tabelle 2 hervorgeht, ist die erste Funktion für eine Separation 
der Dimensionen ("Gruppen") von relativ größerer Bedeutung als die zweite. 
Die kanonische Korrelation gibt an, in welchem Umfang die respektive Funk- 
tion mit den Dimensionen korreliert ist. Mit Hilfe von Wilks Lambda und 



- 12 



Chi Quadrat kann weiterhin untersucht werden, ob beide Funktionen statistisch 
signifikant sind. "Wie aus Tabelle 2 hervorgeht, sind beide Funktionen signi- 
fikant und daher für die Diskrimination zwischen den Dimensionen von Be- 
deutung. Wilks Lambda steht in einem umgekehrten Verhältnis zum Diskri- 
minationsmaß» Hohe Werte bedeuten, daß es wenig diskriminierende In- 
formation im Datensatz gibt. Die hergeleiteten Diskriminantfunktionen (f) 
sollen nun in Tabelle 3 dargestellt werden. 

Tabelle 3 . Diskriminantfunktionen und standardi zierte 
Koeffizienten 



Begriffskluster 



Funktion 



Bibliographische Referenz 

Problemdiskussion 

Informationskanai 

Forschung smethodische Information 

Begriffliche Abgrenzung 



. 50 


. .04 


.44 


. 82 


. 53 


-.71 


. 17 


-.49 


. 32 


. 33 



Die Koeffizienten in Tabelle 3 sind Gewichte und können auf gleiche Weise 
wie Betakoeffizienten in einer multiplen Regressionsanalyse interpretiert 
werden. Für die erste Funktion sind "Bibliographische Referenz" und "In- 
formationskanal" von Bedeutung. Diese zeigen außerdem hohe negative 
Gewichte in der zweiten Funktion. Für die zweite Funktion sind "Problem- 
diskussion" und mit negativen Vorzeichen "Forschungsmethodische Infor- 
mation" von Bedeutung, "Begriffsmäßige Abgrenzung" ist dagegen für beide 
Funktionen von gleichgroßer Bedeutung. 



Eine Zusammenfassung der Diskriminationsfähigkeit und des Klassifi- 
zierungsresultates im Hinblick auf die Agentenkluster wird in Figur 1 
graphisch veranschaulicht. 

Die Zentroiden (*) in Figur 1 geben den Mittelwert der Diskriminant- 
werte der einzelnen Dimensionen an. Wie aus Figur 1 ersichtlich ist, dis- 
kriminiert die erste Funktion sehr gut zwischen Osgoods "Evaluation" (1) 

und "Power" (3). Die zweite Funktion wird dagegen für eine größtmögliche 
Diskrimination zwischen "Activity" (2) und "Power" (3) benötigt. In Tabelle 
4 wird das Klassifizierungsresultat zusammengefaßt. 



13 



-3.000 



-1.500 



.000 



1.500 



3.000 



3.000 



2.250 



1.500 



J>-S 



.000 



-.750 



-1.500 



-2.250 



-3.000 



1 

1 1 
3 

3 3 1 

3 3 3 3 . 1 

* 33 1 * 

23 2 11 

3 2 

3 1 1 



3 2 

* 

2 



2 2 



3.000 



>.250 



1.500 



.750 



.008 



-.750 



-1.500 



-2.250 



-3.000 



-2.250 



-.750 



.750 



2.250 



Figur« 1. Plot of dl»crimln»nt icore 1 (horliontal) v«. dlacrlmlnant acore 2 (vertlcal). ' Iudicata« a group centrold. 



(Aus B. Bierschenk, 1977b.) 



Tabelle 4. Prädizierte Zugehörigkeit zu Osgoods Dimensionen 



















Gruppe 


Anzahl 
Agentenklu 


ster 




Prädizie 
zugehöri 

1 


rte Dirnen 
gkeit 
2 


sions- 
3 


1 


14 






n 

% 


12 
85.7 


2 
14. 3 






2 


14 






n 

% 


2 

14. 3 


9 
64. 3 


3 
21.4 


3 


14 






n 
% 






2 

14. 3 


12 
85.7 



14 



Es scheint offensichtlich leichter zu sein, zwischen Dimension 1 und 3 
als zwischen 1 und 2 sowie 2 und 3 zu differenzieren. Die Agentenkluster 
konnten in 78. 6 % der Fälle der prädizierten Dimension korrekt zugeordnet 
werden. Die relativ größte Anzahl der falschen Klassifizierungen ist auf 
die mangelhafte Trennungsschärfe der Aktivitätsdimension zurückzuführen. 

Aus Figur 1 scheint außerdem hervorzugehen, daß die zweite Diskriminant- 
funktion wahrscheinlich eindeutiger hervortreten würde, wenn es nicht soge- 
nannte Abweicher geben würde. Das Agentenkluster "Informationsverbreitung" 
mit den Werten (1 . 63, -1 . 61 ) in der ersten Funktion und ( -i . 67, -2. 60) in 
der zweiten Funktion, ist eines der Kluster, das markant von den anderen 
abweicht. Das andere, von der Gruppenbildung abweichende Agentenkluster, 
ist "Methodologische Probleme" mit den Diskriminantwerten (1.15, 2. 00) 
in der zweiten Funktion. 

Diese Verhältnisse können näher untersucht werden, indem die Agenten- 
kluster im Hinblick auf die in B. Bierschenk (1977a) berichteten Schätzungs- 
werte studiert werden. Das Agentenkluster "Informationsverbreitung" soll 
mit dem Objektkluster "Bibliographische Referenz" verknüpft werden: 



A 

Inform ations Verbreitung 
mit den Agenten 
Literatur 
Sympo sium 



O 



Bibliographische Referenz 

mit den Objekten 

Literatur 

Referenz 

Zeitschrift 



Die Handlungen, die beide miteinander verknüpfen, sind positiv 
(m = 4. 59), ziemlich passiv (m = 3. 21) und ziemlich schwach (m = 3. 32). 

Im zweiten Fall gilt es, die Relation zwischen folgendem Agenten- und 
Objektkluster zu untersuchen: 

A a O 



Informationskanal mit 
den Agenten 
Bibliothek 
Psychological Abstracts 



Bibliographische Referenz 

mit den Objekten 

Literatur 

Referenz 

Zeitschrift 



Die Handlungen drücken eine positive Wertung (m = 4. 60) aus, deuten 
auf ein aktives "Verhalten (m = 4. 21) hin, das aber durch geringe Stärke (3.76) 
charakterisiert wird. 

Im dritten Fall gilt es, die Relation zwischen "Info rmationsk anal" und 
"Problemdiskussion" zu untersuchen: 



- 15 - 



Informationskanal mit 
den Agenten 
Bibliothek 
Psychological Abstracts 



Problemdiskussion mit 
den Objekten 
Diskussion 
Problem 



Die beide miteinander verbindenden Handlungen deuten auf eine negative 
Wertung (m = 3.46), auf passives Verhalten (m = 2. 39) und eine geringe 
Stärke (m = 3. 75). 

Im vierten Fall gilt es, die Relation zwischen "Informationsverbreitung" 
und "Forschungsmethodische Information" zu untersuchen: 



Information s Verbreitung 
mit den Agenten 
Literatur 
Symposium 



O 



Forschungsmethodische 

Information mit den Objekten 

Design 

Instrumente für die Messung 



Die beide verknüpfenden Handlungen geben Ausdruck für eine schwache 
positive Wertung (m = 4. 06), eine gewisse Aktivität (m = 4. 1 1 ) und eine 
geringe Stärke (m = 3. 88). 



16 



3. PROBLEMDEFINITION IM FQRSCHUNGSPROZESS 

In der psychologischen Forschung wird seit langem untersucht, auf welche 
Weise der einzelne zwischen Verhalten wählt, wenn es gilt, "genau defi- 
nierte" Probleme zu lösen. Dagegen ist jedoch sehr wenig über den ProzeJi 
und die Art und Weise bekannt, wie der einzelne zu "genauen" Problemde- 
finitionen kommt. Kenntnisse dieser Art dürften von ganz besonderer Be- 
deutung für forschungspolitische Beschlüsse und für die Planung wissen- 
schaftlichen Arbeitens sein. 

Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet, daß der einzelne in einen Prozeß 
involviert ist. Dieser Forschungsprozeß besteht aus verschiedenen Phasen, 
die auf der dritten Ebene in ANACONDA mit dem Problem-Methode-Ziel- 
Paradigma, verkürzt mit PmZ, zusammengefaßt werden. Auf dieser Ebene 
ist es die "Methode", die die Bedeutung der Komponenten des Paradigmas 
bestimmt. Wissenschaft wird entsprechend dieser Definition nicht etwa als 
ein bestimmbares Objekt, bzw als eine bestimmbare Gruppe von Problemen 
aufgefaßt, sondern muß vielmehr als Art und Weise (Methodologie) wie 
Probleme anzugreifen sind, aufgefaßt werden. Danach kann alles, d h, auch 
die Wissenschaft selbst zum Ziel wissenschaftlicher Untersuchungen ge- 
macht werden. 

In den verschiedenen Phasen eines Forschungsprozeßes benötigen Ver- 
haltenswissenschaftler Informationen unterschiedlichen Art, die außerdem 
durch sehr unterschiedlich arbeitende Informationskanäle zugänglich gemacht 
werden. Abschließend sollen nun die berichteten Ergebnisse in das Paradigma 
der dritten Ebene eingeordnet werden. 

Der Plan des einzelnen Forscher zur Lösung seiner Informationsprobleme 
enthält Intentionen und Zielsetzungen. Außerdem enthält dieser Plan eine 
Idee darüber, welche Methoden zur Erreichung der Ziele eingesetzt werden 
können, d h, es existiert eine Vorstellung über Mittel-Ziel-Hierarchien. 
Die Intentionen deuten auf im Prinzip zwei Informationsziele hin, nämlich 
(1) Informationen für eine begriffliche Abgrenzung und (2) Informationen 
über geeignete Forschungsmethoden zu bekommen. 

Um sich im Hinblick auf eine Problemdefinition Informationen zur be- 
grifflichen Abgrenzung zu verschaffen, scheint der einzelne als Methode 
(Strategie), Problemdiskussionen in der Form von Diskussions Seminaren, 
Projekttreffen und informellen Literatur Seminaren zu wählen. 



17 - 



Ist es dagegen die Intention, sich Informationen über Forschungsmetho- 
den zu verschaffen, scheint der einzelne als Methode (Strategie) die Durch- 
sicht von Referatorganen und den Besuch von internationalen Symposien anzu- 
wenden. Hauptsächliche Methode ist jedoch die Konsultation von wissen- 
schaftlichen Tutoren und Arbeitskollegen. 

Es kann also die Schlußfolgerung gezogen werden, daß schwedische Ver- 
haltenswissenschaftler zwei verschiedene und von einander unabhängige 
Strategien im Hinblick auf Informationen zur begrifflichen Abgrenzung und 
Informationen über Forschungsmethoden entwickelt zu haben scheinen. Außer- 
dem scheint die angewandte Strategie eine Funktion der gesuchten Informa- 
tion zu sein. 

Die Instrumentalisierung, d h, zugängliche technische Systeme zur In- 
formationsverbreitung werden in gewissem Umfang angewandt, um biblio- 
graphische Referenzen zu bekommen. Die Handlungen, die die Bausteine in 
den Strategien zur Information s suche darstellen, drücken eine mäßig positive 
Wertung, eine mäßig bis schwach ausgeprägte Aktivität und eine geringe 
Stärke aus. 

Eine grundlegende Voraussetzung, die ANACONDA erfüllen muß, ist, daß 
die Methode zu einer validen Rekonstruktion der latenten Strukturen in einem 
verbalen Datensatz führen muß. Um die mit ANACONDA gewonnenen Resultate 
validieren zu können, wurden diese mit den Resultaten aus einer impressionis- 
tischen Inhaltsanalyse (vgl Annerblom, 1974) verglichen. Außerdem liegen 
in B. Bier schenk (1974b) Beurteilungen der untersuchten vor, die anhand von 
formalisierten und mit siebengradigen Schätzung s skalen versehenen Aussagen 
erhoben wurden. 

Aus' der impressionistischen Inhaltsanalyse geht hervor, daß eine syste- 
matische Kontrolle wissenschaftlicher Publikationen eher die Ausnahme als 
die Regel ist. Weiterhin zeigt diese Analyse, im Gegensatz zum Wünschens- 
werten, daß erst, nachdem Daten erhoben wurden, nach Informationen über 
mögliche Datenbearbeitungen und Systematisierungen gesucht wird. Persön- 
liche Kontakte werden als die beste forschungsmethodische Informations- 
quelle betrachtet, scheinen aber andererseits nicht als für den Forschungs- 
prozeß entscheidend betrachtet zu werden. 

Die mit Hilfe der Schätzung s skalen abgegebenen Beurteilungen deuten 
darauf hin, daß vor allem nach Informationen gesucht wird, die einer begriff- 



18 



liehen Abgrenzung dienen können. Aus den Korrelationsanalysen geht weiter- 
hin hervor, daß "Informationen zur begrifflichen Abgrenzung" als besonderer 
und mit "Informationen zur Lösung forschungsmethodischer Probleme" 
(wie z B Untersuchungspläne, Meßinstrumente, Datenerhebung und Daten- 
verarbeitung sowie Interpretation empirischer Relationen) negativ korre- 
lierender Informationstyp (r = ■-. 50) aufgefaßt wird. 



- 19 - 



LITERATURVERZEICHNIS 



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Abstract card 



Reference card 



Bierschenk, B. Ein neues Verfahren zur Lösung psycho- 
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approach to psychometric problems in the analysis of verbal 
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This report suggests a new approach to quantification of the 
relation within a whole sentence and presents a System for the 
analysis of concepts by data processing (ANACONDA). The 
Psychologie al model for ANACONDA is outlined. Panel 
assessments have been used for quantification. On the basis 
of the results obtained, relation pattern s have been studied 
by means of a discriminant analysis. An attempt has been 
made to demonstrate the validity of the methodological 
approach used. 

Indexed: 

Cognition, coneept formation, interview data, psycho- 

linguistics, psychometrics, regression analysis. 



Bierschenk, B. Ein neues Verfahren zur Lösung psycho- 
metrischer Probleme in der Analyse verbaler Daten. /A new 
approach to psychometric problems in the analysis of verbal 
data./ Didakometrie und Soziometrie (Malmö, Sweden: School 
of Education), No. 20, 1978. 






ISSN 0346-5020